Archiv für: Januar 2010

01.01.10

Permalink 15:33:04, Kategorien: Ganz normal

Eines habe ich in meinem Leben gelernt. Der Mensch braucht einen festen Halt, einen Beziehungspunkt, etwas, um sich daran zu klammern, sollte alles andere aus dem Ruder laufen. Oftmals ist es der Partner. Aber auch Ereignisse können dabei helfen. Und so ist der Jahreswechsel immer wieder Anlass, einen solchen Punkt zu setzen. Und wenn man oftmals das Gleiche tut, nennt man das Tradition.

Eine meiner Traditionen, die ich in den letzten Jahren zugegebenermaßen etwas vernachlässigt habe, ist der Morgen des Neuen Jahres. Dieses Mal habe ich mich wieder daran erinnert und mir mit Genuss das Neujahrskonzert angesehen und sehe mir im Moment das Neujahrsspringen an. Dazu gönne ich mir, die restlichen Tropfen Sekt der Nacht, auch wenn dies in meinem Fall alkoholfreier Sekt ist. Das Konzert und das Springen war schon in meiner Jugend zwei Highlights, die man nicht versäumen durfte. Meinen Großeltern, bei denen ich größtenteils aufgewachsen bin, waren diese Ereignisse in den späteren Jahren nicht mehr wichtig. Und so war ich es, der Mittags ins Wohnzimmer gestürmt kam, um eilends den Fernseher anzustellen. Und wenn dann, in den Zugaben des Konzertes, die bekannten Melodien kamen, die die eigentlichen Höhepunkte waren, nämlich "An der schönen blauen Donau" und der "Radezki Marsch", dann hüpfte das Herz auch schon. Und dann gab es einen weiteren Höhepunkt zu Beginn des Jahres, nämlich ein Stück vom Rehrücken mit schlesischen Klößen und der herrlichen Bratensoße (im übrigen stets ohne Rotwein).
So ganz nebenbei. Auch wenn es in meiner Familie etliche Personen gab, die einen guten Tropfen Rotwein schätzten, es gab nicht wirklich jemand, der Rotwein (außer im Rotkohl) im Essen mochte. Ich finde es eine Unart der eingedeutschten, französischen Küche. Selbst in der originalen, französischen Küche wird mit Wein im Essen sehr vorsichtig umgegangen. Doch was machen die deutschen Köche? Sie schütten gleich Literweise Wein in ihr Essen. Wein ist und bleibt ein Getränk und er wird nur bei wenigen Gerichten als Würzung hinzugefügt. Ihn in eine Bratensoße zu tun ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die Soße selbst zu wenig Geschmack hat. Die Soße meiner Großmutter hatte selbst genug Geschmack, als dass man ihn mit Wein verpanschen müsste.

Das alte Jahr wollte ich mit viel Musik beenden. Also wählte ich dieses Mal das RTL mit der Sendung "Die ultimative Silvesterparty - Die größten Après-Ski Hits". Angeblich soll das RTL ein kompetenter Sender sein. Doch diese Sendung war ein Fall für den Papierkorb. Aber ich habe auch etwas gelernt. Der Deutsche feiert nur, um sich zu besaufen. Andere Anlässe zu feiern kennt er nicht mehr. Dies ging eindeutig aus den Kommentaren zu den einzelnen "Hits" hervor. So konnte man einige Hits überhaupt nur besoffen ertragen. Manche Hits animierten zum saufen. Und manche Hits schafften die Stimmung, um das Saufen zu beginnen.
Und wenn ich mich in der Welt so umschaue, so muss die Polizei den Genuss von Alkohol verbieten, weil sie Angst vor Ausschreitungen und Krawallen haben. Einige Menschen leiden leider unter einer ordentlichen Führung. Sie kennen womöglich ihr Maß, welches sie aber bewusst überschreiten, um auszuflippen, zu streiten, sich zu prügeln und "um Spaß zu haben".

Schön war, dass um ein Uhr heute Nacht das Feuerwerk bei uns beendet wurde. Letztes Jahr hörte man noch um drei Uhr Nachts haufenweise Böller, die von schlafunwilligen Jugendlichen gezündet wurden. Für mich war vier Uhr Schlafenszeit. Mein RLS ließ mich nicht früher einschlafen. Zudem weiß ich jetzt schon, dass in de nächsten zwei, drei Wochen die Dialyse beginnen wird. Ich ordne das aber unter "Positiv" ein. Denn die jetzige Phase ist ziemlich schwierig. Seit mehreren Monaten plagt mich RLS (Restless Legs). Das geht soweit, dass es Abends achtzehn Uhr beginnt, mich zeitweise hüpfen lässt, weil ich es (trotz Medikamente) im Sitzen nicht aushalten kann. Und ich sogar mich meiner Kleider entledigen muss, da jede Berührung irgendeines Kleidungsstückes mit der Haut (sofern es keine Dauerberührung ist) einen extrem heftigen Juckreiz auslöst. Gut, ich weiß inzwischen, dass die vom Arzt vorgegebene Medikamentation nicht korrekt ist. Er gab mir Medikamente, die eigentlich als Beigabe zu anderen Medikamenten gedachte sind, doch diese anderen Medikamente hat er mir nicht verschrieben. Und er meinte, die Medikamente müssten erst einschleichen, ehe sie wirken. Doch das ist in dem Fall unsinnig, denn es sind Retard-Kapseln, deren Wirkung über Stunden ausgedehnt wird. Müssten die erst einschleichen, würde man gleich Tabletten und keine Retard geben. Eine Recherche im Internet hat mir dann auch gezeigt, es gibt keine Medikamente, die einschleichen müssen, als Retard-Kapseln.

Ich glaube noch immer an das Gute im Menschen. Und so starte ich auch dieses Mal positiv ins neue Jahr. Die nächsten Höhepunkte sind schon geplant und auf diese freue ich mich auch. Auch wenn ich derzeit durch meine Erkrankung körperlich im Nachteil bin, so erhoffe ich von der Dialyse eine Besserung. Die Zeit in der Dialyse werde ich mit Arbeit, Lesen, DVDs und Musik hören verbringen. Das heißt, Zeit verliere ich durch die Dialyse nicht, ich verbringe sie nur nicht bei mir zu Hause, sondern eben unter Gleichgesinnten in der Dialyse-Klinik. Das heißt, dreimal in der Woche in die Klinik und wieder zurück. Da ich sowieso zweimal in der Woche einkaufen muss, kann ich das kombinieren und so verliere ich auch kaum etwas durch die Fahrt.

Das einzig wirklich neue, wird mein neues Notebook sein, welches ich mir zum Jahreswechsel gönne. Ich habe zu Hause nun auch ein W-Lan eingerichtet, um den Datenabgleich mit dem PC zu erleichtern (könnte man theoretisch auch über USB machen, aber ein Netzwerk und dazu auch noch drahtlos, ist wesentlich einfacher).

Ein Satz der Nacht, sorgte bei mir für besonderes Nachdenken. Es waren die Worte eines Kabarettisten (leider habe ich sie nur gehört und verpasst wer es eigentlich gesagt hat). Und der Satz war (sinngemäß): "Wenn die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen, stürzt die Gesellschaft ins Chaos". Für mich interpretiere ich das so, dass wenn der Mensch die natürlichen Grenzen des Maßhaltens nicht mehr kennt, wobei ich sowohl an die Alkoholkonsum jüngerer Mitmenschen denke, aber auch an die Gehaltsgrenzen mancher Manager. Maß halten im Verhalten, im Konsum, bei den Forderungen, aber auch in der Leistung halte ich enorm wichtig. Leider arbeitet aber das Fernsehen dagegen und präsentiert mit Vorliebe genau das Gegenteil und findet das auch toll. Und natürlich findet das Fernseher viele Nachmacher und so ist es nicht verwunderlich, dass unsere Jugend maßlos wird. Die Reaktion der Obrigkeit ist bekannt, Verbote und Einschränkungen. Und diese treffen dann auch die, die Maß halten können. Und damit entgeht diesen wiederum ein Stück Lebensqualität. Siehe als Beispiel das Alkoholverbot in Sydney. So durfte in den öffentlichen Parks die Menschen nicht wie sonst mit Sekt anstossen, sondern nur mit Selters. Und Manager, die wirklich großartiges leisten und dem ich daher ein wirklich großzügiges Gehalt gönne, erhält dieses nicht, weil andere Manager, die große Verluste eingefahren haben, ebenfalls hoch belohnt wurden. Durch die Begrenzung der Regierung werden zwar die Manager, die Scheiße bauen, im Gehalt eingebremst. Aber es werden auch die Manager eingebremst, die wirklich hervorragende Arbeit leisten. Jedes Gesetz und jede Verordnung in dieser Hinsicht ist absolut überflüssig, würden einige Menschen ihre Grenzen kennen und diese auch respektieren würden.

Nichts desto trotz. Ich wünsche allen Menschen einen guten Start ins Neue Jahr - zudem Gesundheit (ich weiß ja, wovon ich spreche), Glück und tonnenweise Liebe.

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Eigentlich hatte ich nur mal Lust, meine Gedanken festzuhalten. Meine Meinung ist die meine. Sie muss dir weder gefallen, noch musst du sie überhaupt lesen.

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