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Kennst Du Depressionen?

29.11.09

Permalink 23:21:32, Kategorien: Welcome

Wer nicht an Depressionen leidet, kann sich kaum vorstellen, wie sich derjenige dann fühlt. Daher möchte ich hier mal ein Beispiel aufführen:

Stelle Dir vor, du steckst in einem engen Brunnen 30 Meter tief. Die Wände sind glatt und es gibt weder ein Seil oder eine Leiter. Du hast keine Ahnung wie du aus dem Loch kommen sollst, noch hast du die Chance es irgendwie heraus zu schaffen.

Tja, und dann kommen so Komiker und rufen zu dir herunter: "Kopf hoch, sieh dir hier oben diese schöne Wiese und die bunten Blumen an. Dann geht es dir wieder besser!"

Nun, man kann ahnen, was der im Brunnen daraufhin am liebsten antworten möchte, doch er ist höflich und lächelt.

Mit Depressionen ist nicht zu spaßen. Wer unter Depressionen leidet ist krank. Die Ursachen sind vielfältig und müssen vom Arzt analysiert werden. Genauso vielfältig wie die Ursachen ist auch die Behandlung. Doch es ist nicht leicht überhaupt die Ursachen festzustellen.

Ich selbst neige von Geburt an zu Depressionen, die sich durch Umwelteinflüsse verstärken. In einem Fall konnte ein Psychotherapeut helfen, in anderen helfen nun Medikamente. Ich setze dabei zur Zeit auf die Natur mit Johanniskraut. Da ich seit Jahren unter chronischer Niereninsuffizienz leide, sieht es mit meinen Hormonen nicht besonders gut aus. Die Depressionen haben sich verstärkt (in diesem Fall ohne äußere Umstände) und ich habe von mir aus die Dosis erhöht. Ich habe auch eine Zeit lang chemische Medikamente bekommen. Doch ich hatte zu viele Nebenwirkungen gehabt und dem Arzt gesagt, dass ich sie durch Johanniskraut ersetze.

Doch Vorsicht! Es ist nicht mit der Einnahme von irgendwelchen Medikamenten getan. Also, zum Arzt gehen, Medikament abholen und schlucken - damit ist es nicht getan. Keines der normalen Medikamente wirkt sofort. Erst nach 2-3 Wochen entfaltet es seine volle Wirkung und beim Absetzen muss man es über 2-3 Wochen ausschleichen lassen. Wichtig zu wissen ist auch noch, dass nicht jeder gleich auf ein Medikament reagiert. Daher ist es bei schwerer Depression immens wichtig, dass man stationär auf das Medikament eingestellt wird. Das Problem ist, dass einige Medikamente zu Beginn der Behandlung den Drang zum Selbstmord sogar noch verstärkt. Darunter fällt im übrigen auch Johanniskraut, welches man bei schwacher und mittelstarker Depression einsetzt.

Oft geht Depression mit Lethargie einher. Dem Depressiven sind manche Dinge einfach egal. Dabei kann es für den Depressiven der Selbstmord wichtig sein, als die ihm angebotene Hilfe. Daher ist es wichtig den Depressiven nicht noch depressiver zu machen. Hier ist also Rücksichtnahme und echte Hilfe gefragt.

Eine Hilfe für den Depressiven kann schon sein, dass man (sofern der Depressive noch nicht in ärztlicher Behandlung ist) mit dessen Hausarzt spricht. Depressive erkennen ihren Zustand zunächst nicht als Krankheit. Oft rät der Hausarzt dem Helfenden, den Depressiven zu ihm zu schicken (als Grund könnte eine Routineuntersuchung sein oder der Depressive hat ein anderes Wehwehchen). Es gibt aber auch Hausärzte, die selbst die Initiative ergreifen und den Depressiven aufsuchen (doch das ist leider selten). Depressionen zu erkennen ist nicht leicht, sofern der Depressive seine Krankheit nicht selbst zur Sprache bringt. Aber ein geschulter Hausarzt kann es dennoch heraus finden.

Als nächstes müssen die depressiv machenden Umstände entfernt werden, sofern möglich. Das ist natürlich nicht einfach, insbesondere wenn die Umstände groß sind, wie hohe Schulden oder Liebeskummer. Bei hohen Schulden könnte der Helfende mit den Gläubigern sprechen. Bei Liebeskummer hilft es aber oft nicht, mit der Person zu sprechen, die Grund für die Verstärkung der Depression ist. Aber wie sagt man so schön: "eine neue Liebe tröstet über die alte". Der Helfende darf ruhig mal Amor spielen.

Es gibt viele Gründe für Depressionen bzw. die vorhandene Depressionen noch verstärken. Besonders von Natur aus depressive Menschen neigen dazu, beinahe alles Negative in stärkere Depressionen zu stecken. Dabei gilt schon fehlende Liebe oder Aufmerksamkeit als negativ, wobei die Depressiven selbst oftmals nicht in der Lage sind, von sich aus Kontakt zu anderen aufzunehmen. Hier muss also nachgeholfen werden. Und das nicht nur einmal, sondern immer wieder (auch wenn es manchmal lästig ist).

Es ist allgemein bekannt, dass Depressive zu Selbstmord neigen. Doch wenige wissen, dass gerade bei fehlender Liebe und Aufmerksamkeit der Depressive versucht diejenigen auszumachen, die schuld daran sind. Und wenn der Depressive zur Gewalt neigt (wobei Gewalt auszuüben bei ihnen stärker ausgebildet ist, wie die Rücksichtnahme), dann gibt es oft den sogenannten "erweiterten Selbstmord". Die Erweiterung besteht darin, alle Personen zu schädigen, die Grund für die Depressionen und damit dem Drang nach Selbstmord sind. Unter Umständen wird nach einem Ersatz gesucht, sollten die Personen selbst nicht greifbar sein. Die Schädigung des Ersatzes soll auf indirektem Weg die Person treffen, die den Depressiven geschädigt hat.

Zum Glück neigen die meisten Menschen zu mehr Rücksichtnahme als zu Gewalt. Und sie bringen sich im Stillen um, ohne jemand anderes zu schädigen. Doch alle, die sich auf Grund ihrer Depression umbringen wollen, hinterlassen Hinweise darauf, warum sie es getan haben.

Ich hoffe, du hattest einen schönen 1. Advent. Habe auf jeden Fall noch eine schöne Woche.

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Eigentlich hatte ich nur mal Lust, meine Gedanken festzuhalten. Meine Meinung ist die meine. Sie muss dir weder gefallen, noch musst du sie überhaupt lesen.

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