Wer meine Berichte liest, weiß, dass ich kein Freund von voreiligen Entschlüssen bin. Die Weltwirtschaftskrise ist weitaus weniger stark in Mitleidenschaft gezogen worden, wie es mancher Experte vorausgesagt hat. Zum Glück blieb so mancher Geschäftsmann ruhig und erklärte, dass er reagieren werde, wenn etwas definitives auf dem Tisch liegt. Doch andere warfen beim geringsten Geräusch die Flinte ins Korn und fing zu jammern an.
Leider reagieren auch viele Bürger viel zu aggressiv auf Meldungen im Fernsehen. Journalisten gerieten schon in Panik, als noch nicht einmal Rauch zu sehen waren und nur jemand ein Gerücht gestreut hat. Leider.
Doch was ist nun mit der Abwrackprämie? Sie hat definitiv Arbeitsplätze erhalten. Die Autoindustrie unterliegt zwar ständig schwankenden Absatzzahlen, doch durch die Panik war abzusehen, dass die Kurve weltweit steil nach unten gehen wird. Dies hätte aber Massenentlassungen zur Folge gehabt. Es musste eine künstliche Nachfrage geschaffen werden, die dieses Loch ein wenig glättet. Dies geschah durch die Abwrackprämie. Aber man wusste vorher nicht, wie reagieren die Bürger. Sind die 2.500 Euro pro Auto genug? Wie stark darf die Verpflichtung sein, neue Techniken als Bedingung einfließen zu lassen? Hinterher ist man immer klüger und dementsprechend kommt dann die Kritik, man hätte es so oder so machen sollen. Doch man muss stark bezweifeln, dass der Bürger in Massen Elektroautos gekauft hätten, zumal die Autoindustrie diese gar nicht bereit hätte stellen können.
Dann war noch die Kritik, dass man die Abwrackprämie nur für Neuwagen, gebaut in Deutschland, hätte zahlen dürfen. Hier muss man sagen, falsch. Das hätte die EU-Kommission nicht mitgemacht und das ganze sofort gestoppt. Eine derartige Beschränkung wäre eine Verzerrung des europäischen Wettbewerbs gewesen. Und unsere EU-Hüter hätten dem sofort einen Riegel vorgeschoben. Doch leider denken die wenigsten Bürger europäisch, sondern nur an sich selbst.
Und jetzt? Jetzt fällt die Abwrackprämie weg, dann kommt das Loch eben jetzt. Wieder falsch. Die Weltwirtschaft ist wieder stark im kommen. Damit auch die Nachfrage nach den Autos. In Deutschland sinkt sie, richtig, aber weltweit steigt sie. Das Loch ist zwar noch nicht gefüllt, aber es wurde geglättet, was Arbeitsplätze erhalten hat, wenn sie auch mit Kurzarbeit überbrückt werden mussten. Doch das ist sowohl für den Staat, als auch für die Autoindustrie billiger und effizienter als die befürchtete Massenentlassung.
Und wie sieht es mit den Emissionen aus? Besser. Viele kritisieren zwar, dass bei der Herstellung der Autos ja auch Emissionen freigesetzt wurden, doch diese wären ja auf jeden Fall freigesetzt worden, jetzt nur früher (dieser Wert bleibt also neutral). Dafür wurden die Emissionen der Autos mit einem Schlag reduziert, indem man die Stinkbomben von den Straßen nahm. Beim Abwracken fallen weniger Emissionen an, aber auch die wären entstanden, wenn die Autos später abgewrackt worden wären - oder schlimmer, jetzt massenweise in Afrika fahren. Es wurden zwar einige dennoch verschifft, aber die Anzahl derer sind zum Glück recht niedrig.
Natürlich kritisieren jetzt Einzel- und Möbelhändler, sie hätten unter der Abwrackprämie leiden müssen. Und auch das stimmt nicht so ganz. Der Einzelhandel hat durch die Deflation sogar profitiert und hohe Gewinne eingefahren. Aber die Kritik, die Leute hätten ihr Geld nur in neue Autos gesteckt, kann man so nicht gelten lassen. Schließlich sprang die Sparquote auf Rekord verdächtige 12,8 Prozent an. Das heißt, von 100 zur Verfügung stehenden Euros wurde im Durchschnitt 12,8 Euro gespart. Vielleicht hätte die Möbelindustrie besser reagieren müssen mit dem Slogan: "Investiert in die Zukunft und nicht in niedrige Zinsen!"
Die deutsche Abwrackprämie war definitiv ein Erfolg und dieser wird auch schon, wenn auch in modifizierter Art, von anderen Ländern übernommen. Und wir können von Glück sagen, dass andere Länder nicht zeitgleich mit uns auf die Idee kamen. Denn dann wäre das große Loch in Deutschland durch zwei kleinere geglättet, sondern nur verschoben worden, was jetzt zu Massenentlassungen führen würde.
Natürlich kann man im Nachhinein die Höhe und die Bedingungen der Abwrackprämie kritisieren. Doch sie hat funktioniert. Niemand kann voraussagen, dass dies bei Änderung der Höhe oder der Bedingung auch getan hätte. Das gehört in das Reich der Spekulation ("Wenn der Esel an der richtigen Stelle scheißt und der Bauer darauf ausrutscht, knallt er mit dem Kopf auf einen Stein, der aus purem Gold ist").
Ich persönlich bin froh, dass Trotz der Kritik der Linken, der Grünen und vereinzelte Kritik aus SPD-Kreisen ihre Abwrackprämie so zügig umgesetzt hat.
Ach ja, erinnerst du dich noch, dass letztes Jahr im August für diesen August die Arbeitslosenzahl auf 5 Mio. prognostiziert wurde? Und will Steinmeier nicht 4 Mio. neue Arbeitsplätze schaffen? Wir haben ja noch nicht einmal 4 Mio. Arbeitslose!